FOKALE ANFÄLLE

 
Einfach-fokale Anfälle
Der Betroffene behält das Bewusstsein, erlebt den Anfall dadurch in völliger Ausprägung und kann hinterher von dem Erlebten erzählen.
Bei diesen Anfällen kann es zu Muskelzuckungen in einem Bereich – zB einer Gesichtshälfte oder einer Hand – kommen, welche sich in weiterer Folge auf der gleichen Körperseite ausbreiten können.
Es gibt aber auch einfach-fokale Anfälle bei denen Patienten „nur“ ungewöhnliche Empfindungen in einem Körperteil haben. Manche sehen Lichterscheinungen oder Bilder, hören Musik, Stimmen oder Geräusche, nehmen verschiedene angenehme und unangenehme Geruchs- und Geschmacksempfindungen wahr.
Schließlich gibt es noch Patienten, die starken Schwindel empfinden oder von sonstigen intensiven Erlebnissen erzählen, wie ein sogenanntes „Deja-Vu“ (bedeutet „schon gesehen“), bei welchem Betroffene das Gefühl verspüren, eine bereits erlebte Situation nochmals zu durchleben, obwohl dies in Wirklichkeit nicht zutrifft.

Oft lassen sich die vom Patienten wahrgenommenen Empfindungen nicht in Worte fassen und werden allgemein als „komisches Gefühl“ beschrieben.
Alle Sinneswahrnehmungen, die der Betroffene bemerkt und beschreiben kann, kennzeichnen die Aura, welche meist zu Anfällen mit Bewusstseinsverlust führt.

 
Komplex-fokale Anfälle
Bei diesen Anfällen ist das Bewusstsein des Patienten verändert, wobei die Bewusstseinsstörung von einer leichten Benommenheit bis zur Bewusstlosigkeit reichen kann. Manche Personen wirken dadurch während eines Anfalls auffallend benommen, ratlos, umdämmert oder verwirrt. Gegen eine Störung von außen wehren sie sich und können dabei sogar aggressiv werden.

Alle bei den einfach-fokalen Anfällen genannten „Zustände“ können auch bei den komplex-fokalen Anfällen auftreten – in Verbindung mit der Bewusstseinsstörung.
Besonders charakteristisch sind sogenannte Automatismen (automatisch ablaufende Bewegungsmuster) wie zB schmatzen, schlucken, kauen.. oder Handlungsautomatismen (Bsp. zupfen, kratzen, über Kleidungsstücke streicheln, mechanisches Öffnen und Schließen der Hände u.A.) und verbale Automatismen, bei denen Patienten sehr unverständlich sprechen. Manch Betroffene werden im Anfall umtriebig, legen sich hin, stehen wieder auf, gehen umher, dies nennt man ambulatorische Automatismen.
An den komplex-fokalen Anfällen ist oft das vegetative Nervensystem beteiligt, erkennbar an Hautrötungen oder –blässe, Gänsehaut, Schweißausbrüche und vor allem an vermehrter Speichelbildung.

Diese Anfälle verebben allmählich, das Ende ist in der Regel nicht genau feststellbar und der Patient hat hinterher keine Erinnerung an das Geschehen.